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Als Spitzen-Prädator steht der Wolf in der Nahrungspyramide ganz oben. Wolfsvorkommen und -dichte sind somit hauptsächlich von der Verfügbarkeit der Beutetiere abhängig. Die Wechselbeziehungen zwischen Wölfen und ihren wildlebenden Beutetieren sind sehr kompliziert und dynamisch, da sie von vielen Faktoren beeinflusst werden. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass ein Zuwachs in der Raubtierpopulation nicht zwangsläufig Auswirkungen auf die Beutetierpopulation haben muss. Es sind sowohl Fälle bekannt, in denen trotz Zunahme des Wolfsbestandes die Häufigkeit der Beutetiere in einem Gebiet auf gleichem Niveau blieb, als auch Untersuchungen, die eine erhebliche Reduzierung der Beutetierpopulationen durch den Wolf dokumentierten. In Gebieten, in denen sowohl menschliche Jäger als auch Wölfe aktiv sind, kann die Nutzung der Beutetiere insgesamt über deren jährlichem Zuwachs liegen, so dass die Beutetierpopulation abnimmt. Insbesondere in Gebieten, die sich aus verschiedenen Gründen hinsichtlich der Lebensraumqualität (insbesondere dem Nahrungsangebot) für die dort lebenden Schalenwildarten verschlechtern, kann die Bejagung durch Wölfe eine Abnahme der Population herbeiführen bzw. verstärken.
Eine Bewertung des quantitativen Einflusses, den der Wolf auf die Schalenwildbestände ausübt, kann nur mittels intensiver, langjähriger Feldstudien und durch das Heranziehen folgender Kennwerte erfolgen:
- Bestand und Zuwachs der Huftiere und der Wölfe
- Bedeutung der einzelnen Huftiere in der Nahrung des Wolfes
- Gesamtnahrungsverbrauch der vorhandenen Wölfe im Jahr

Die Wildbestandsdichte ist dabei die bei weitem am schwierigsten zu ermittelnde Größe, sie lässt sich in den meisten Lebensräumen nur annähernd bestimmen. In der Regel greift man hier auf indirekte Bestandserfassungsmethoden zurück. So können beispielsweise durch die Größe und Entwicklung der Abschusszahlen Trends für die Bestandentwicklung der Wildarten abgeleitet werden (s. Streckenentwicklung).
Die Anzahl der Wolfsrudel ist durch das Wolfsmonitoring bekannt. Die Anzahl der Wölfe, die in einem Rudel leben, läßt sich aber nicht ständig aktuell ermitteln. Im Jahresverlauf schwankt die Anzahl der Wölfe im Rudel meist zwischen 5-10 Tieren. Die Nahrungszusammensetzung wird über die Nahrungsanalyse ermittelt, auch der Nahrungsverbrauch der Wölfe im Jahr kann aus verschiedenen Studien abgeleitet werden.

In der Studie "Wölfe, Jagd und Wild in der Oberlausitz" von Ulrich Wotschikowsky wurde für das ehemalige Muskauer Heide Rudel im Zeitraum von 2000 bis 2005 die durch den Wolf und durch die Jagd verursachte Mortalität (Sterblichkeit) bei den Wildarten Rot-, Reh- und Schwarzwild gegenüber gestellt. Dabei entfielen beim Rotwild 10 %, beim Schwarzwild 9 % und beim Rehwild 40 % der Mortalität auf den Wolf. Die übrigen 90 % beim Rotwild, 91% beim Schwarzwild und 60 % beim Rehwild wurden durch den menschlichen Jäger zur Strecke gebracht.
Dabei ist zu beachten, dass der untersuchte Zeitraum, in dem die Wölfe auf den dortigen Wildbestand wirkten, noch zu kurz ist, um generelle Aussagen treffen zu können.