Kontaktbüro

30.06.2017:

Im Landkreis Mittelsachsen wurde erstmals seit Beginn der natürlichen Wiederbesiedlung ein Wolf nachgewiesen. Das Tier wurde am 17.04.2017 ca. 7 km östlich von Döbeln (LK Mittelsachsen) von einer Privatperson fotografiert. Das Foto wurde als eindeutiger Nachweis (C1) eingestuft und nach Überprüfung der Örtlichkeit als Erstnachweis für den Landkreis bestätigt. Bis jetzt gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass der Wolf sich noch in der Region aufhält. Möglicherweise handelte es sich um einen Wolf auf Wanderschaft.
In Sachsen sind Wölfe seit Ende der neunziger Jahre wieder dauerhaft heimisch. Junge Wölfe verlassen meist im Alter von 1-2 Jahren das elterliche Territorium. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium und einem möglichst nicht verwandten Paarungspartner können sie weite Strecken zurücklegen. Daher ist mit dem Vorkommen von Wölfen außerhalb der bekannten Wolfsgebiete jederzeit zu rechnen. 
Halter von Schafen und Ziegen sollten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Tiere treffen, indem sie ihre Nutztiere z.B. über Nacht einstallen oder mit einem geeigneten Elektrozaun schützen.
Auskünfte zum Thema Herdenschutz erhalten Tierhalter in Mittelsachsen von dem Herdenschutzbeauftragten Ulrich Klausnitzer (Tel. 0151/50551465, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).
Für den Menschen stellen wildlebende Wölfe in der Regel keine Gefahr dar. Wölfe bemerken die Menschen meist frühzeitig und meiden eine direkte Begegnung.
Hinweise zu Wolfssichtungen aus der Bevölkerung sind für das Wolfsmonitoring eine wertvolle Hilfe. Bürger im Landkreis Mittelsachsen können Hinweise an die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes (Tel. 03731/7994001, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung (Tel. 035727/57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) melden. Auch das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772/ 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) nimmt Meldungen entgegen und erteilt Auskünfte zum Thema Wolf.
Mehr Informationen: www.wolf-sachsen.de

07.02.2017:

Seit Mitte November 2016 zeigt sich ein Wolf wiederholt in Siedlungsbereichen des Landkreises Görlitz, vor allem bei der Gemeinde Rietschen. Das Tier hat offensichtlich wiederholt positive Erfahrung mit Nahrung in der Nähe von Menschen gemacht hat und sucht Siedlungen auf der Suche nach Fressbarem gezielt auf. Mit einer gemeinsamen Medieninformation informierten das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und das Landratsamt Görlitz am 19. Januar 2017 über die vorgesehene Entnahme dieses Wolfes.
Seit der Veröffentlichung erreichen das Kontaktbüro, das Landratsamt und das Ministerium zahlreiche Anfragen zu dem Wolf und der geplanten Entnahme. Im Folgenden finden Sie hierzu einige Hintergrundinformationen als PDF: Link Hintergrundinfos zu Pumpak

Mehr Informationen zu der Entscheidung zur Entnahme des Wolfes finden Sie auf der Internetseite des SMUL: Link zu SMUL "Antworten auf häufige Fragen"

16.01.2017                                                      

Vorwort

Zu Beginn des neuen Jahres nimmt unser Büro seine Arbeit unter neuem Namen auf. Die zentrale Informationsstelle zum Thema Wolf im Freistaat Sachsen heißt nun: Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“. Mehr hierzu erfahren Sie im vorliegenden Infobrief, der ab diesem Jahr, anstelle des Newsletters und der quartalsmäßig erscheinenden Pressemitteilung „Aktuelle Informationen Wölfe in Sachsen“, neu eingeführt wird. Der Infobrief beinhaltet sowohl aktuelle Informationen zum Vorkommen der Wölfe und Nutztierschäden, wie sie bisher in der quartalsmäßigen Pressemitteilung veröffentlicht wurden, als auch ggf. weiterführende Informationen zu Wölfen und Wolfsmanagement, welche bisher im Newsletter thematisiert wurden. Der Infobrief wird quartalsweise erscheinen. Der erste Infobrief bietet einen Rückblick auf das Jahr 2016.

Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ wünscht allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2017.

Verbreitung der Wölfe in Sachsen

Im Monitoringjahr (MJ) 2015/2016 wurden im Freistaat Sachsen 15 Rudel, 3 Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen (siehe Abb. 1). Von diesen 19 Territorien konnten bisher 17 auch im laufenden Monitoringjahr bestätigt werden. Vom Cunewalde Rudel gibt es aktuell keine Nachweise mehr. Im Raum Spremberg ist es im aktuellen Monitoringjahr zu Verschiebungen zwischen angrenzenden Wolfsterritorien gekommen. Derzeit wird versucht über das Monitoring abzuklären, welche Wölfe im Gebiet zwischen Schleife und Spremberg unterwegs sind und ob das Spremberger Rudel noch existiert. Der Status in den Territorien Cunewalde und Spremberg ist derzeit unklar.

Im Raum Bernsdorf wurde im letzten Monitoringjahr ein markierendes Paar nachgewiesen. Der Rüde wurde im Oktober bei Kamenz tot aufgefunden. Einige Tage später wurde bei Bernsdorf ein Welpe angefahren und auf Grund seiner Verletzungen eingeschläfert. Die Vermutung, dass er ein Nachkomme des Bernsdorfer Wolfspaares sein könnte, bestätigte sich nicht. Bei der genetischen Untersuchung konnte der Welpe keinen genetisch bekannten Wölfen zugeordnet werden. Da in diesem Gebiet aktuell erneut ein Wolfspaar bestätigt wurde, muss es hier zu einem Wechsel gekommen sein. Aktuell wird versucht über genetische Untersuchungen festzustellen, ob der tote Welpe dem neuen Wolfspaar zuzuordnen ist und ob es sich bei diesem um dieselben Tiere handelt, die auch im Gebiet um Senftenberg (Brandenburg) nachgewiesen wurden.

Im aktuellen MJ 2016/2017 konnte bisher in 10 Territorien (Biehain, Daubitz, Gohrischheide, Knappenrode, Königsbrücker Heide, Milkel, Nochten, Raschütz, Seenland, Raum Bernsdorf) der Nachweis von Welpen erbracht werden. Außerdem gibt es aus dem Daubaner und dem Neustädter Territorium Aufnahmen aus dem Sommer von automatischen Wildkameras, welche die jeweilige Fähe mit Gesäuge zeigten. Trotz intensiven Monitorings und dem regelmäßigem Nachweis des Neustädter Wolfspaares konnten in diesem Gebiet allerdings keine Welpen nachgewiesen werden. Es ist daher zu vermuten, dass das Neustädter Paar, das sich erst im Winter 2015 etabliert hat, seinen ersten Wurf verloren hat.

Das Territorium Gohrischheide ist grenzübergreifend mit Brandenburg. Möglicher Weise sind auch die Territorien Raschütz und Raum Bernsdorf grenzübergreifend. Zusätzlich gibt es drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z, siehe Karte), die ihr Gebiet nur zu einem kleinen Teil auf sächsischer Seite haben und daher in den Nachbarländern mitgezählt werden.

Nachweise von einzelnen Wölfen außerhalb etablierter Territorien gab es 2016 im Bereich des Wermsdorfer Forstes im LK Nordsachsen (Dezember 2016), bei Hohnstein im LK Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (November 2016), sowie in Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis bei Königswalde (Juli 2016). Dabei handelte es sich jeweils um Einzelnachweise.

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2015/2016. Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Schraffiert gekennzeichnet ist das Gebiet Löbau/Zittau, in dem der Status unklar ist. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Aktuell wurde darüber hinaus auch direkt südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien, im Schluckenauer Zipfel, ein Wolfsrudel nachgewiesen (Rumburk, in der Karte nicht dargestellt).

 

Tote Wölfe

Im Freistaat Sachsen wurden im Jahr 2016 insgesamt neun tote Wölfe erfasst. Davon kamen fünf Wölfe durch Autounfälle ums Leben, wobei in einem Fall der Wolfswelpe den Zusammenstoß überlebte und anschließend, aufgrund seiner schweren Verletzungen, eingeschläfert wurde. Bei der veterinärpathologischen Untersuchung stellte sich heraus, dass das Tier bereits einmal beschossen worden war, dies aber überlebt hatte. Zwei Wölfe starben eines natürlichen Todes: beide Tiere waren stark abgemagert und wiesen entzündete Verletzungen auf. In zwei Fällen blieb die Todesursache unklar: Bei einem im Mai bei Cunewalde (LK Bautzen) gefundenen Wolf, dessen Kadaver schon zu verwest war für eine Todesursachenbestimmung und bei einem Totfund im Juli bei Horka (LK Görlitz). Hier hatte zunächst der Verdacht auf eine illegale Tötung bestanden. Dies konnte durch die Untersuchung am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin jedoch nicht bestätigt werden.

Besondere Vorkommnisse

Seit Mitte November 2016 sind dem Wolfsmanagement wiederholt Sichtungen eines Wolfes bei Teicha – Neuhammer – Alte Ziegelei (Gemeinde Rietschen, LK Görlitz) gemeldet worden, der im Siedlungsbereich Futter sucht. Zunächst wurde das Tier im Laufe von zwei Wochen mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten, jedoch häufig vormittags, im Siedlungsbereich beobachtet. Bei einigen Sichtungen befand sich der Wolf auf bzw. in der unmittelbaren Nähe von bewohnten Grundstücken. Die Beschreibungen der Sichtungen weisen darauf hin, dass der Wolf auf der Suche nach Futter war.

Während in der ersten Dezemberhälfte nur noch sporadische Hinweise auf den Wolf eingingen, tritt der Wolf seit der zweiten Dezemberhälfte wieder vermehrt in Erscheinung, wobei er nun überwiegend abends/nachts im Siedlungsbereich unterwegs ist. Die meisten Hinweise liegen im Moment durch Aufnahmen von Fotofallen vor. In einigen Fällen wurde das Tier auch direkt gesichtet, diese fanden dann meist vom Haus aus oder aus dem Fahrzeug statt. Bei direkter Begegnung mit Menschen, die als solche zu erkennen sind (Menschen zu Fuß), zog sich das Tier zurück.

Seit Eingang der ersten Sichtungsmeldungen wird die Situation vor Ort durch ein intensives Monitoring beobachtet. Das Landratsamt Görlitz beauftragte dafür das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung, welches in Sachsen die Kernkompetenz für das Wolfsmonitoring ist. Außerdem wurde durch das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" die Informationsarbeit vor Ort verstärkt, um die Bevölkerung über das Tier auf zu klären. Die Anwohner wurden dazu aufgerufen, keinerlei Essensreste auf Komposthaufen oder in

Siedlungsnähe zu entsorgen, um dem Tier nicht weiter Anreiz zu bieten, im Siedlungsbereich auf Nahrungssuche zu gehen. Wolfshinweise werden vom Kontaktbüro, dem Landkreis und direkt von LUPUS entgegen genommen. Allen Hinweisen wird zeitnah nachgegangen. Vor Ort wurde außerdem mit einem Hund nach Auslösereizen (Nahrung) gesucht, Genetikproben sichergestellt und verstärkt Fotofallen aufgestellt. Auf einigen Fotofallenaufnahmen ist zu sehen, wie der Wolf Fressbares von Komposthaufen holt. Einige Anwohner haben zudem eigene Fotofallen

platziert und leiten Wolfsaufnahmen an das Wolfsmanagement weiter.

Abb. 2. Jährlingsrüde aus dem Ruszow Rudel hält sich seit  November 2016 bei Rietschen auf und sucht im Siedlungsbereich nach Futter, z.B. an Komposthaufen. Foto: LUPUS        

Mittels genetischer Untersuchung konnte die Identität des Wolfes ermittelt werden. Es handelt sich um einen Jährlingsrüden aus dem polnischen Ruszow Rudel (Abb. 2). Das Ruszow Territorium erstreckt sich überwiegend auf polnischer Seite direkt angrenzend an Sachsen etwa auf Höhe von Rothenburg O.L. (LK Görlitz). Nach Angaben polnischer Wissenschaftler ist dieses Tier als Welpe von Menschen gefüttert worden.

Durch den genetischen Abgleich konnte nun nachträglich geklärt werden, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juni 2016 dabei beobachtet wurde, wie er vom Vorhof eines Grundstücks im Rothenburger O.L. Ortsteil Lodenau die Schwarte (Fell) eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück verschleppte (Kontaktbüro berichtete).

Nach den vorliegenden Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass der Wolf in der Vergangenheit bereits mehrmals Nahrung in der Nähe von Menschen erhalten bzw. gefunden hat und auf Grund dieser, für ihn positiven Erfahrungen, gezielt Siedlungen auf der Suche nach Fressbarem aufsucht. Das Verhalten des Tieres ist für einen wilden Wolf ungewöhnlich und nur durch die Vorgeschichte dieses Individuums zu erklären. Bislang hat das Tier keinen direkten Kontakt zu Menschen gesucht und geht einer direkten Begegnung aus dem Weg. Derzeit gibt es keine Hinweise auf ein sicherheitsrelevantes Verhalten gegenüber Menschen. Trotzdem ist ein solches Verhalten unerwünscht und für die Anwohner vor Ort nicht dauerhaft zumutbar.

Das Sächsische Wolfsmanagement beobachtet die Lage weiterhin intensiv. Sofern es die Lage erfordert wird das Landratsamt Görlitz geeignete Maßnahmen entsprechend des Managementplans für den Wolf in Sachsen veranlassen.

 

Herdenschutz

Im Jahr 2016 wurden dem sächsischen Wolfsmanagement insgesamt 71 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet. Davon konnte in 44 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Zwei weitere Fälle sind noch in Bearbeitung. Bei den 44 bestätigten Übergriffen wurden 219 Nutztiere getötet, 15 sind vermisst und 19 weitere wurden verletzt. Bei den geschädigten Nutztieren handelt es sich um 222 Schafe, 4 Ziegen, 3 Rinder und 24 Stück Wild in Gattern (Dam-, Sika- und Muffelwild).

Die meisten Übergriffe im letzten Jahr fanden im Territorium des Rosenthaler Rudels statt. Seit der Etablierung des Rosenthaler Wolfspaars im Sommer 2013 im Raum Rosenthal kam es immer wieder zu Übergriffen auf Schafe. 2014 waren es insgesamt achtzehn Übergriffe, 2015 sechszehn Übergriffe und 2016 elf Übergriffe. Anfangs wurden vermehrt ungeschützte bzw. nicht ausreichend geschützte Tiere angegriffen. Mit der Zeit waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. Zehn der 11 Übergriffe 2016 fanden auf Schafe statt, die hinter Festzäunen gehalten wurden.

Gemäß dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation von Schafen und Ziegen im Bereich des Rosenthaler Rudels flächendeckend zu verbessern. Neben Informationen zum Herdenschutz und den Fördermöglichkeiten, z.B. durch Pressemitteilungen, wurden 2015 und 2016 im Territorium des Rosenthaler Rudels kostenlos ca. 17.000 Meter „Flatterband“ (Breitbandlitze) und zugehörige Weidepfähle an Schaf – und Ziegenhalter verteilt. Zusätzlich können sich Tierhalter individuell über Schutzmaßnahmen vor Ort beraten lassen. Dies wird insbesondere Tierhaltern empfohlen, die ihre Schafe hinter einem Festzaun halten. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material stellen eine rein physische Barriere dar, da sie anders als Elektrozäune, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden. Das Wolfsmanagement empfiehlt daher den Einsatz von Elektrozäunen, in Kombination mit „Flatterband“, welches 20 – 30 cm darüber gespannt werden soll.

Sollten die empfohlenen Schutzmaßnahmen keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes als letztes Mittel ergriffen werden.

Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen. Dies wurde wieder von zahlreichen Tierhaltern angenommen. So wurden in 2016 insgesamt 489 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 338.771,70  EUR ausgezahlt. Frühzeitig umgesetzte, präventive Herdenschutzmaßnahmen können helfen, Übergriffe auf Nutztiere minimieren.

 

Umbenennung zu Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“

Zum 01.01.2017 wurde das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“, die zentrale Informationsstelle zum Thema Wolf im Freistaat Sachsen, umbenannt in Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“.

Bei der Gründung des Kontaktbüros 2004, gab es in der sächsischen Lausitz mit einem Wolfsrudel und einem Wolfspaar das einzige Vorkommen von wildlebenden Wölfen in Deutschland. Der Titel des Kontaktbüros stellte damals diesen regionalen Bezug dar. Inzwischen ist das Wolfsvorkommen nicht mehr auf die Lausitz begrenzt. Vor diesem Hintergrund und auch angesichts der Tatsache, dass das Kontaktbüro seit der Entstehung des Managementplans für den Wolf in Sachsen im Jahr 2009 als die zentrale Ansprechstelle zum Thema Wolf für den ganzen Freistaat zuständig ist, wurde der Name des Büros angepasst.

Der Sitz des Kontaktbüros in Rietschen und somit auch Telefon- und Faxnummer sind unverändert geblieben, aber die E-Mail und Website-Adresse sind neu. Ab sofort ist das Kontaktbüro unter der E-Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Die neue Internetadresse lautet: www.wolf-sachsen.de.

 

Ansprechpartner zum Thema Wolf in Sachsen

An wen wende ich mich wenn meine Nutztiere getötet oder verletzt wurden?

Was ist beim Auffinden eines toten/verletzten Wolfes zu tun?

Wo bekomme ich Antworten auf Fragen zum Wolf?

Seit 2009 ist der Managementplan für den Wolf in Sachsen in Kraft. Zuständig für die Umsetzung des Wolfsmanagements in Sachsen sind die Landratsämter. In jedem Landratsamt der Landkreise und kreisfreien Städte gibt es geschulte Mitarbeiter. Sie nehmen Meldungen zum Wolf bzw. Nutztierschäden entgegen und gehen etwaigen Hinweisen vor Ort nach.

Die Landkreise arbeiten im Wolfsmanagement mit sachkundigen Institutionen und Personen zusammen, welche die Kernkompetenzen im sächsischen Wolfsmanagement bilden:

Das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung (Dipl.-Biol. Gesa Kluth und Dipl.-Biol. Ilka Reinhardt) ist seit dem Jahr 2002 mit dem wissenschaftlichen Wolfsmonitoring (Bestandserfassung und -überwachung) beauftragt. Diese Arbeiten werden im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz fachlich betreut und koordiniert.

LUPUS Institut

Tel. 035727 / 577 62

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Der Sachbearbeiter Wolfsmanagement im Staatsbetrieb Sachsenforst, Herr Dipl.-Forsting.(FH) André Klingenberger, mit Sitz im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist für den Bereich Herdenschutz und Schadensausgleich zuständig. Er ist Ansprechpartner für Tierhalter in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie in der Stadt Dresden.

André Klingenberger

Tel. 035932 / 365 31

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Für die Beratung von Tierhaltern in den Landkreisen Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie den Städten Leipzig und Chemnitz ist Herr Dipl.-Agraring. Ulrich Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein, OT Haßlau zuständig.

Ulrich Klausnitzer

Tel.: 0151 / 5055 1465

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Beratung für Tierhalter ist kostenfrei und kann auf Wunsch auch vor Ort stattfinden.

Die Öffentlichkeitsarbeit wird vom Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen zentral geleitet. Seit September 2004 ist das Kontaktbüro die zentrale Ansprechstelle für die Informations- und Aufklärungsarbeit zum Thema Wolf in Sachsen gegenüber der Bevölkerung und der Presse im gesamten Freistaat. Es wurde vom SMUL und dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis eingerichtet und befindet sich in der Trägerschaft des Landkreises Görlitz.

Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“

Tel. 035772 / 467 62

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weitere Informationen zum Thema Wolf finden Sie unter www.wolf-sachsen.de

Abkürzungen

LK - Landkreis,  MJ -  Monitoringjahr (01.05.XX bis 30.04. des darauffolgenden Jahres), SMUL - Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

 

 

21.12.2016

In den vergangenen Tagen sind im sächsischen Wolfmonitoring zwei Nachweise von einzelnen Wölfen außerhalb etablierter Territorien eingegangen. Des Weiteren wurde ein auf tschechischer Seite nahe der Grenze zum Erzgebirgskreis entstandener Fotonachweis bekannt.

Im Landkreis Nordsachsen gelang der Nachweis eines Wolfes. Bei einer Sichtung am 06.12.2016 an der B6 bei Oschatz konnten Fotos des beobachteten Tieres gemacht werden. Die Bewertung der Fotos bestätigt, dass es sich dabei um einen Wolf handelt. Dies ist der erste Nachweis eines Wolfes im Bereich des Wermsdorfer Forstes südlich der Dahlener Heide. Aus diesem Bereich gingen im Laufe der letzten Monate vereinzelte Hinweise auf Wölfe (u.a. Sichtungen, Losungsfunde) beim Wolfsmanagement ein. Auch ein Video, sowie Bilder von automatischen Wildkameras gingen ein, reichten jedoch aufgrund der Unschärfe bislang nicht für einen Beleg.

Genetische Untersuchungen haben bestätigt, dass Anfang November ein Wolf bei Hohnstein in der Sächsischen Schweiz unterwegs war und für einen Nutztierübergriff verantwortlich ist. Am 01.11.2016 wurde bei einem Übergriff in Waitzdorf (Hohnstein, LK Sächsische Schweiz – Osterzgebirge) ein Schaf getötet und ein weiteres verletzt. Die Rissbegutachtung vor Ort hatte den Wolf als wahrscheinlichen Verursacher ergeben. Die Untersuchung von einer genetischen Probe hat einen Wolf bestätigt. Genetikproben, welche an geschädigten Nutztieren genommen wurden, werden im Rahmen des Monitorings nur untersucht, wenn dies im Rahmen von erhöhtem Informationsgewinn als sinnvoll erachtet wird. Die Frage nach dem Verursacher des Schadens wird, ungeachtet der genetischen Untersuchungen, anhand der vorgenommenen Rissbegutachtung beantwortet.

Der Zaun um die betroffene Schafherde bestand aus zwei Stromlitzen. Um das Eindringen eines Wolfes in eine Schafherde möglichst zu vermeiden ist es wichtig, dass stromführende Litzenzäune mit mindestens fünf Litzen ausgestattet sind. Die Abstände sollten zum Boden bzw. zwischen den untersten drei Litzen nicht mehr als 20 cm ausmachen. Fördermöglichkeiten für die Anschaffung stromführender Litzen oder Netzzäune für Schaf–  und Ziegenhalter liegen für den gesamten Freistaat Sachsen vor. Informationen hierzu finden Sie unter (www.wolfsregion-lausitz.de/foerdergebiet).

Außerdem wurde jetzt bekannt, dass direkt angrenzend an den Erzgebirgskreis im Sommer ein Wolf unterwegs war. Ein Fotofallenbild vom 04.07.2016, welches auf tschechischer Seite südlich von Königswalde aufgenommen worden war und dem sächsischen Wolfsmanagement kürzlich zur Verfügung gestellt wurde, zeigt eindeutig einen Wolf. Auf sächsischer Seite liegen aus diesem Bereich keine weiteren Nachweise vor.

Ob es sich bei den Nachweisen von Wölfen in den drei Regionen (Nordsachsen, Sächsische Schweiz, Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis) um Einzelnachweise handelt und die Wölfe weiter wandern oder ob die Wölfe in den jeweiligen Bereichen sesshaft werden, wird im laufenden Monitoring weiter geklärt.

Diesbezüglich werden Hinweise aus der Bevölkerung immer gerne angenommen. Vor allem Sichtungen von Wölfen und auch Welpen liefern wichtige Informationen für das Monitoring. So sind dies häufig die ersten Anhaltspunkte für Neuetablierungen aber auch im bestehenden Wolfsgebiet sind sie hilfreich um einzelne Rudel abgrenzen zu können. Bitte melden Sie Wolfshinweise an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772 / 46762, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727 / 57762, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

22.11.2016:

In den letzten Monaten häufen sich kritische Medienberichte zum Thema Wolf, in denen auf Probleme durch Wölfe hingewiesen und deren Regulierung gefordert wird. Die Intensität dieser Forderungen fällt zeitlich zusammen mit einer Häufung von Nutztierschäden durch Wölfe, vor allem im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Die Übergriffe auf Nutztiere und die dazu veröffentlichten Beiträgen mit unterschiedlichen Äußerungen und Wertungen durch verschiedene Akteure und Interessensvertreter haben in der Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen, auf die hier eingegangen werden soll.

Fressen die Wölfe in Sachsen immer mehr Nutztiere?

Anhand der Losungsuntersuchungen im Senckenberg Museum für Naturkunde ist nachgewiesen, dass sich die Wölfe in Sachsen zu ca. 95 % (Anteil Biomasse) von wildlebenden Huftieren ernähren. Dieser Anteil blieb seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2001 nahezu unverändert. Nutztiere – fast ausschließlich Schafe - kommen immer wieder in der Wolfsnahrung vor, machen jedoch nur einen sehr geringen Teil an der verzehrten Biomasse aus (ca. 1,0 %).
Die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. 2016 gab es bislang in Sachsen 40 Übergriffe durch Wölfe auf Nutztiere. Dabei gibt es eine Häufung der Übergriffe im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels. Dies hat den Eindruck erweckt, dass die Wölfe in Sachsen generell immer mehr Schäden verursachen. Dem ist nicht so. Grundsätzlich steigt mit Ausbreitung des Wolfsvorkommens und Vergrößerung des Wolfsgebietes zwar tendenziell auch die Anzahl der Nutztierschäden, es handelt sich dabei allerdings nicht um einen flächendeckenden Trend. Auf die Anzahl der Territorien bezogen sind die Schäden in diesem Jahr (Stand 21.11.2016) im Vergleich zu den beiden Vorjahren von ca. 3 auf ca. 2 Übergriffe/Territorium sogar gesunken. Aktuell sind in Sachsen 19 Wolfsterritorien nachgewiesen (Rudel, Paare, Einzeltiere). In den meisten Sächsischen Wolfsterritorien gibt es nur sehr wenige oder gar keine Übergriffe auf Nutztiere.

Sind die als sicher eingestuften Zäune inzwischen nicht mehr sicher?

Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen garantieren keinen 100%-igen Schutz, da dieser nur mit sehr hohen materiellen und praktischen Aufwendungen für die Tierhalter zu erreichen wäre. Vielmehr handelt es sich bei den empfohlenen Schutzmaßnahmen um solche, die gemäß den hiesigen und internationalen Erfahrungen in vielen Fällen geeignet sind Wölfe davon abzuhalten in die Koppel einzudringen. Demnach bieten Elektrozäune mit einer Höhe von 100 cm -120 cm einen wirksamen Schutz. Die Wirksamkeit von Elektrozäunen kann noch erhöht werden, in dem ein "Flatterband" (Breitbandlitze) 20 - 30cm über dem Zaun befestigt wird. Der Einsatz von „Flatterband“ wird insbesondere in Gebieten empfohlen, in denen Elektrozäune wiederholt von Wölfen übersprungen wurden. Elektrozäune mit „Flatterband“ wurden bislang in Sachsen noch nie von Wölfen überwunden.
Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material stellen eine rein physische Barriere dar, da sie anders als Elektrozäune, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden, weshalb sie seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen werden.

Unabhängig von diesen Empfehlungen werden auch Festzäune mit einer Höhe von mind. 120 cm und Elektrozäune ab 90 cm Höhe als Mindestschutz akzeptiert, der als Voraussetzung für einen Schadensausgleich bei Nutztierrissen gilt, da sie in vielen Fällen als Schutz ausreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mindestschutz überwunden wird, steigt allerdings je öfter Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass Nutztiere eine leicht zugängliche Beute darstellen. Diese Erfahrung machen die Tiere meist an unzureichend geschützten Schafen. Wölfe lernen rasch. Bereits ein einmaliger Erfolg kann dazu führen, dass sie gezielt versuchen Schafe zu töten. Je häufiger sie Erfolg hatten, desto mehr Aufwand nehmen sie auf sich, um diesen Erfolg zu wiederholen. Dieser Lernprozess kann dazu führen, dass auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwunden werden.

Werden die Anforderungen an die Tierhalter immer weiter erhöht?

Nein, die Mindestschutzkriterien, die ein Tierhalter mindestens vorweisen muss, damit dieser im Falle eines Schadens durch Wölfe Anspruch auf Schadensausgleich hat, sind seit Einführung der Förderrichtlinie 2008 unverändert. Demnach kann ein Tierhalter Anspruch auf Schadensausgleich geltend machen, wenn sein Elektrozaun mind. 90 cm hoch ist bzw. sein Festzaun eine Höhe von mind. 120 cm aufweist. Die Koppel muss außerdem an allen Seiten – auch zum Wasserlauf – geschlossen sein und die Zäune müssen einen festen Bodenabschluss haben.
Bei der Beratung von Tierhaltern bzgl. der Neuanschaffung von Herdenschutzmaßnahmen werden meist höhere Zäune (106 oder 110 cm hohe Elektrozäune bzw. 140 cm hohe Festzäune) empfohlen. Diese Höhen beziehen sich auf internationale Erfahrungen im Herdenschutz.

Ist langfristig eine Weidetierhaltung in Wolfsgebieten überhaupt noch möglich?

Erfahrungen aus europäischen Ländern, aus denen der Wolf nie verschwunden war zeigen, dass eine Weidetierhaltung auch in Wolfsgebieten möglich ist. Dort haben sich die Nutztierhalter an die Anwesenheit von Wölfen angepasst und entsprechende Schutzmaßnahmen gehören zum Standard der Weidetierhaltung. In Gebieten, in die Wölfe nach längerer Zeit der Abwesenheit wieder einwandern, dauert es meist eine Zeit, bis die Nutztierhalter sich auch hier an die für sie zunächst neue Situation angepasst haben. Die Erfahrungen aus Sachsen zeigen jedoch, dass auch hier Nutztierschäden minimiert werden können, wenn die Halter die empfohlenen Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Staat fördert diese Maßnahmen, wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde mit 80% des Nettopreises. Komplett vermeiden lassen sich Nutztierverluste durch den Wolf jedoch nicht.

Werden die Tierhalter nicht mehr 100%-ig entschädigt?

Bislang wurden alle Tierhalter mit Anspruch auf Schadensausgleich zu 100% des Marktwertes der gerissenen Nutztiere entschädigt. Anspruch auf Schadensausgleich haben Tierhalter deren Tiere, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind und deren Schutzmaßnahmen zumindest dem Mindeststandard entsprechen. Die Schadenshöhe wird vom Landesamte für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Basis von aktuellen Richtlinien ermittelt. Diese sind mit den Nutztierhalterverbänden abgestimmt. Bei gewerblichen Tierhaltern können auch Folgekosten z.B. für zerstörte Zäune, Tierarztbehandlung oder Entsorgung des Kadavers berücksichtigt werden.
Der Schadensausgleich ist bei gewerblichen Tierhaltern aus beihilferechtlichen Gründen derzeit europaweit beschränkt. Schäden können deshalb nur auf Grundlage der landwirtschaftlichen Deminimis-Verordnung mit öffentlichen Mitteln ausgeglichen werden. Zahlungen sind danach bis zu einer Grenze von 15.000,- Euro in drei aufeinander folgenden Jahren zulässig. Falls ein Nutztierhalter innerhalb von 3 Jahren mehr als 15.000 Euro staatliche Beihilfen im Sinne dieser Verordnung erhalten hat, ist eine Schadenausgleichzahlung durch den Freistaat nur noch zu 80 % möglich. In diesem Fall hat sich die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe für die Zahlung der übrigen 20 % bereit erklärt.
Dem Tierhalter können also, bei Einhaltung der geforderten Voraussetzungen, alle Sachschäden durch den Wolf, unabhängig von der Schadenshöhe, vollständig ersetzt werden. Dies gilt für alle Nutztierarten. Bisher ist ein solcher Fall aber noch nicht eingetreten.

Leistet der Freistaat insgesamt zu wenig Unterstützung für die Tierhalter?

Der Freistaat gewährt sowohl Hobbyhaltern als auch Tierhaltern im Neben- und Haupterwerb eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 80 % der Nettokosten zur Anschaffung von Herdenschutzmaßnahmen (Elektrozäune, Herdenschutzhunde und für Wildgatter ein Untergrabungsschutz). Die gilt für Halter von Schafe und Ziegen sowie von Gatterwild. Für Pferde und Rinder gibt es keinen vorgeschriebenen Mindestschutz, da Übergriffe auf diese Tiere nur selten vorkommen. Daher gibt es für Pferde und Rinder auch keine pauschale Förderung von Schutzmaßnahmen. Sollte es im Einzelfall doch einmal zu Übergriffen auf diese Tiere kommen, können jedoch auch hier Schutzmaßnahmen gefördert werden.
In Fällen in denen Wölfe, an nach Mindestschutz gesicherten Nutztieren Schäden verursachen, ist ein 100 %-iger Schadensausgleich geregelt. Zwei Tierhalterberater sichern ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot vor Ort ab. Sie informieren Tierhalter zu allen Fragen des Herdenschutzes und der Förderung und leisten praktische Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen (z.B. Austeilung von „Flatterband“ und Elektrozaun). Zudem hält der Freistaat eine „Herdenschutzhunde-Einsatzgruppe“ vor, die in größeren Herden unmittelbar nach einem Übergriff einen guten Schutz gewährleistet, bis eine langfristige Schutzmaßnahme eingerichtet wird. Der Freistaat investiert zudem in ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm zum Herdenschutz welches an der Weiterentwicklung effizienter Herdenschutzmethoden forscht. Damit hat der Freistaat insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern bereits effiziente Maßnahmen zur Unterstützung von Tierhaltern ergriffen. Deren Evaluierung und ggf. Weiterentwicklung ist gemäß des dynamischen Ansatzes des Managementplanes, welcher entsprechend den praktischen Erfordernissen fortgeschrieben und ergänzt wird, vorgesehen. Dazu dient auch eine vom Freistaat dauerhaft eingerichtete Arbeitsgruppe Wolf-Nutztiere, in der speziell Vertreter von Nutztierhalterverbänden an der Lösung aktueller Probleme mitwirken beziehungsweise auf neue Schwerpunkte hinweisen.

Sind die Rosenthaler Wölfe verhaltensauffällig? Warum wird noch keine Genehmigung zur Entnahme (Tötung) erteilt?

Tötet ein Wolf Nutztiere ist das kein auffälliges Verhalten. Er verhält sich normal indem er günstige Gelegenheiten nutzt, um an Nahrung zu gelangen. Wölfe die gehäuft ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere vorfinden und erbeuteten, lernen, dass Nutztiere deutlich einfacher zu erbeuten sind, als wildlebende Beutetiere. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden.
Dies ist im Rosenthal Rudel der Fall. Seit der Etablierung des Rosenthaler Wolfspaars im Sommer 2013 im Raum Rosenthal kam es immer wieder zu Übergriffen auf Schafe. 2014 waren es insgesamt 18 Übergriffe, 2015 16 Übergriffe und in diesem Jahr bisher 11 Übergriffe. Anfangs wurden vermehrt ungeschützte bzw. nicht ausreichend geschützte Tiere angegriffen. Mit der Zeit waren auch solche, die nach den Anforderungen zur Gewährung von Schadenausgleichzahlungen (Mindestschutz) geschützt waren, betroffen. In letzteren Fällen wurden in den beiden Vorjahren vor allem Elektrozäune überwunden. Zehn der 11 Übergriffe 2016 fanden auf Schafe statt, die hinter Festzäunen gehalten wurden. Empfohlene Schutzmaßnahmen, wie Elektrozäune, die zusätzlich mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden.
Gemäß dem Managementplan für den Wolf in Sachsen ist in Fällen, in denen Wölfe wiederholt geschützte Nutztiere töten, zunächst die Suche nach sicheren Schutzmethoden vorgesehen. Das Wolfsmanagement zielt in der gegenwärtigen Situation daher darauf ab, die Schutzsituation im Rosenthaler Rudel flächendeckend zu verbessern. Neben Informationen zum Herdenschutz und den Fördermöglichkeiten, unter anderem durch Pressemitteilungen, wurde 2015 und 2016 im Territorium des Rosenthaler Rudels kostenlos „Flatterband“ an Schaf – und Ziegenhalter verteilt. Zusätzlich können sich Tierhalter individuell über Schutzmaßnahmen informieren lassen. Dies wird insbesondere Tierhaltern empfohlen, die ihre Schafe hinter einem Festzaun halten. Sollten auch die empfohlenen Schutzmaßnahmen keine Wirkung zeigen, kann die Entfernung eines Wolfes oder mehrerer Wölfe als letztes Mittel ergriffen werden.

Können Nutztierschäden durch eine Bejagung des Wolfsbestandes verhindert werden?

Internationale Erkenntnisse aus Wolfsgebieten zeigen, dass Nutztierschäden durch Wölfe am wirksamsten durch Herdenschutzmaßnahmen minimiert werden können. Die Höhe der Schäden korreliert nicht mit der Anzahl von Wölfen die in einem Gebiet leben, sondern mit dem Ausmaß des Schutzes der Nutztiere. Dort wo Nutztiere nicht oder unzureichend geschützt sind, kann bereits ein einzelner Wolf viele Schäden verursachen. Nutztierschäden konzentrieren sich oft in Gebieten, in denen Wölfe neu einwandern, da die Tierhalter dort häufig noch nicht auf Wölfe vorbereitet sind.
Das Töten von Wölfen kann kurzfristig zu einer Reduzierung von Nutztierschäden führen. Durch die Besetzung des freigewordenen Gebietes durch andere Wölfe, ist jedoch von einer Fortsetzung der Nutztierübergriffe auszugehen.
Langfristig kann in Wolfsgebieten daher nur über die Etablierung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen eine Minimierung von Nutztierverlusten erzielt werden.

Warum töten die Wölfe bei manchen Übergriffen viel mehr Schafe als sie fressen können?

Das Phänomen von Mehrfachtötungen (surplus killing), ohne dass alle getöteten Tiere gefressen werden, ist von Wölfen und anderen Beutegreifern, wie z.B. Marder oder Fuchs im Hühnerstall bzw. auch von Hunden, bekannt. Mehrfachtötungen treten fast ausschließlich unter „künstlichen“ Bedingungen auf. Bei der Jagd auf freilebende Beutetiere haben Beutegreifer kaum Gelegenheit mehr als ein Tier zu töten, da die übrigen Beutetiere die Flucht ergreifen. Bei Übergriffen auf Nutztiere, welche meist in hoher Dichte auf begrenztem Raum stehen, und bei welchen das Fluchtverhalten durch die Domestikation deutlich abgeschwächt ist, bietet sich den Beutegreifern ein Überangebot von verfügbarer Nahrung. Diese günstige Gelegenheit veranlasst dazu, mehr Tiere zu töten, als sogleich verzehrt werden können. Die Beutegreifer würden ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zum angelegten „Vorrat“ zurückkehren.

10. Wölfe töten Nutztiere auch direkt in Ortsnähe oder im Ort. Zeigt das, dass sie ihre Scheu verlieren und somit zu einer Gefahr für Menschen werden?
Nein, wenn Wölfe gelegentlich nachts und selten auch mal am Tage in Siedlungsbereichen Nutz- oder Wildtiere reißen, ist dies nicht als gefährliches Verhalten gegenüber Menschen zu bewerten. Begegnungen mit Menschen vermeiden Wölfe in der Regel, weshalb die Übergriffe auf Nutztiere in Abwesenheit von Menschen stattfinden. Grundsätzlich können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben - auch wenn dies selten ist - durchaus mal am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört zum Repertoire des normalen Wildverhaltens.

Muss die Wolfsdichte in Grenzen gehalten werden?

Weltweit sind Wolfsdichten von 0,1 -9 Wölfe/100 km beschrieben. Dort wo wenige Beutetiere leben, benötigen Wölfe größere Territorien als in beutetierreichen Gebieten. In Regionen mit spärlicher Vegetation und kurzen Vegetationszeiten sind daher geringere Wolfsdichten zu finden, als z.B. in den produktiven Wald-Feld Gebieten Mitteleuropas. In vielen Teilen Sachsen ist die Schalenwilddichte vergleichsweise hoch, wie sich auch anhand der Jagdstrecken widerspiegelt. Im vergangenen Jagdjahr wurde mit einer Jagdstrecke von mehr als 75 000 Rehen, Hirschen und Wildschweinen, soviel Schalenwild erlegt wie seit 1991 nicht mehr. Aus ökologischer / biologischer Sicht besteht keine Notwendigkeit zur Bejagung von Wölfen. Wölfe zählen zu den sogenannten Spitzenprädatoren - das heißt sie stehen am Ende der Nahrungskette, ihre Zahl wird nicht durch natürliche Feinde, sondern weitgehend durch die Häufigkeit und Verfügbarkeit ihrer Beutetiere reguliert. Durch die Lebensweise des Wolfes (Leben in Rudeln mit ausgesprochener Territorialität) ist der Anzahl der Wölfe in einem Gebiet stets eine natürliche Grenze gesetzt.
Kommt es im Einzelfall zu ernsten Problemen mit Wölfen, etwa, wenn Einzeltiere ein Verhalten entwickeln, das für den Menschen sicherheitsrelevant ist oder wenn Wölfe wiederholt empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden, kann der Abschuss eines oder mehrere Tiere erforderlich werden. Dies hat jedoch nichts mit einer generellen Bejagung zu tun, sondern ist eine Managementmaßnahme, die darauf abzielt Konflikte gezielt zu minimieren. Eine solche Maßnahme ist auch möglich, solange der Wolf nicht dem Jagdrecht, sondern ausschließlich dem Naturschutzrecht unterliegt.

Wer ist in Sachsen im Wolfsmanagement für was zuständig?

Die Koordinierung des Managements der streng geschützten Tierart Wolf obliegt dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL). Die Landratsämter und kreisfreien Städte sichern im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Realisierung des Wolfsmanagements durch ihre geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten ab. Dabei arbeiten sie mit der Kernkompetenz in Sachen Wolf zusammen. Die Landratsämter sind unter anderem für die Begutachtung von durch Wölfe getötete Nutztiere, für die Aufnahme von Hinweisen zu Wölfen und die Öffentlichkeitsarbeit zum Wolf zuständig. Unterstütz und betreut werden Sie hierzu durch die Kernkompetenz der jeweiligen Bereiche. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für die Entnahme eines Wolfes obliegt ebenfalls den Landratsämtern, in Abstimmung mit dem SMUL.
Die Kernkompetenz für Wolfsmonitoring und -forschung stellen das Senckenberg Museum Görlitz und das LUPUS Institut dar. Das LUPUS Institut ermittelt auf Basis der Monitoringdaten alljährlich den Stand des Wolfsvorkommens und dessen Verbreitungsgebiet und gibt den Landratsämtern Einschätzungen und Handlungsempfehlungen bei eventuell auftretenden Problemen mit Wölfen. Die Senckenberg Gesellschaft ergänzt das Wolfsmonitoring durch wissenschaftliche Untersuchungen wie Genetische Analysen und Losungsanalysen. Die Kernkompetenz für den Bereich Herdenschutz, Prävention und Kompensation verkörpert der Sachbearbeiter Wolfsmanagement. Zu seinen Aufgaben gehört die Dokumentation und Bewertung der Nutztierschäden in Sachsen, Anleitung der Landkreisbeauftragten zu Nutztierrissbegutachtungen, und Beratung der Tierhalter zum Thema Herdenschutz und Förderung. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz ist die Kernkompetenz im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Es ist vom SMUL und dem Landkreis Görlitz beauftragt alle aktuellen Informationen über Wölfe in Sachsen zu bündeln und der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich zu machen bzw. aktiv bekannt zu geben. Dabei wird es durch die geschulten Mitarbeiter in den Kreisgebieten unterstützt.