Wölfe in Sachen

Stand: 17.10.2017

Die Bestandserfassung erfolgt innerhalb des Monitoringjahres. Dies entspricht einem Wolfsjahr, welches am 1. Mai beginnt (Geburt der Welpen) und am 30. April des darauffolgenden Jahres endet. Die Datenauswertung des Monitoringjahres 2016/17 ist für Sachsen abgeschlossen (siehe Karte). Informationen über den vorläufigen Stand des noch laufenden Monitoringjahres (2017/18) in Sachsen und anderen Bundesländern sowie zu vorhergehenden Monitoringjahren  finden Sie auf der Seite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

Im Monitoringjahr 2016/17 wurden im Freistaat 14 Rudel nachgewiesen, deren Territorien größtenteils in Sachsen liegen. Desweiteren sind 3 Paare (CUN, DH und LH) sowie 1 territoriales Einzeltier (HW) bestätigt. In einigen weiteren Gebieten ist das Vorkommen von Wölfen ungeklärt, da von dort nur wenige Wolfsnachweise vorliegen (Status unklar).

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2016/2017 (endgültiger Stand Oktober 2017). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Die gestrichelten Territorien haben ihr Gebiet nur zu einem kleinen Teil auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt. Auch in den an das sächsische Wolfsgebiet angrenzenden Bereichen in Brandenburg und Polen gibt es flächendeckend Wolfspräsenz

Wolfsterritorien in Sachsen (Reviere ganz oder großteils im Freistaat) Monitoringjahr 2016/17:

BI: Biehain

Status: Rudel - 5 Welpen; Kerngebiet: nördlich und südlich des Biehainer Forstes; erstmals nachgewiesen 2015

CUN: Cunewalde

Status: Paar; Kerngebiet: Czorneboh bei Cunewalde, westlich Löbau; erstmals nachgewiesen 2015

DH: Dahlener Heide

Status: Paar; Kerngebiet: Dahlener Heide im Landkreis Nordsachsen; nachgewiesen seit 2016

DN: Dauban

Status: Rudel - Anzahl Welpen unklar; Kerngebiet: Ostteil des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft/ Daubaner Wald; nachgewiesen seit 2008, die Fähe (FT9, "Frieda") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender

DZ: Daubitz
Status: Rudel - 6 Welpen; Kerngebiet: Ostteil des Truppenübungsplatzes Oberlausitz; existiert seit 2006

GH: Gohrischheide (SN / BB)

Status: Rudel - 5 Welpen; Kerngebiet: Gohrischheide; ersten Nachweise auf markierende Fähe und Welpe im Winter 2015/2016

HW: Hohwald Rudel (SN / Tschechische Republik)

Status: territoriales Einzeltier; Kerngebiet: Hohwald (Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen), Großteil des Reviers in Sachsen, ein Teil in der Tschechischen Republik; von 2012 bis 2014 als Rudel mit Welpen nachgewiesen, aktuell ist nur eine sesshafte Einzelwölfin nachgewiesen, hierbei handelt es sich um eine Tochter des ehemaligen Hohwald Rudels, noch ist unklar ob sie sich dort alleine aufhält 

KO: Kollm

Status: Rudel - 3 Welpen; Kerngebiet: Hohe Dubrau; bereits 2013/2014 war hier ein Rudel sesshaft, welches im Jahr darauf verschwand, 2016 hat sich ein neues Wolfspaar in diesem Gebiet etabliert und Nachwuchs gezeugt

KH: Königsbrück

Status: Rudel - 1 Welpe; Kerngebiet: Königsbrücker Heide; im April 2011 wurden erstmals zwei Wölfe nachgewiesen und im Juli 2011 erste Welpen

KhB: Königshainer Berge

Status: Rudel - 1 Welpe; Kerngebiet: Königshainer Berge; im Sommer 2015 wurde ein Welpe sowie die ehemalige Kollmer Fähe erstmals nachgewiesen

KN: Knappenrode

Status: Rudel - 6 Welpen; Kerngebiet: Bereich um Knappenrode südlich Hoyerswerda; erstmals nachgewiesen 2015

LH: Laußnitzer Heide

Status: Paar; Kerngebiet: Laußnitzer Heide; seit Winter 2013/2014 verstärkte Hinweise auf ein territoriales Wolfspaar, erster Wurf 2014

MI: Milkel
Status: Rudel - 4 Welpen; Kerngebiet: TÜP Oberlausitz West/ Neustädter Heide (ehem. Kerngebiet des Neustädter Rudels); nachgewiesen seit 2008

N: Neustadt

Status: Rudel - Anzahl Welpen unklar; Kerngebiet: Gebiet um Neustadt (Spreetal), westl. Teil des TrÜPl; erstmals nachgewiesen 2015, von 2004 bis 2008 Kerngebiet des Neustädter Rudels. 2009 wurde es vom Milkeler Rudel übernommen. Nun hat eine Tochter des Milkeler Rudels hier ihr eigenes Territorium etabliert; erster Wurf 2016

NO: Nochten
Status: Rudel - 4 Welpen; Kerngebiet: TÜP Oberlausitz/ Tagebaugebiet Reichwalde; nachgewiesen seit 2005, eine Tochter des alten Nochtener Wolfspaares hat das Revier 2012 mit einem eigenen Partner übernommen

NY: Niesky
Status: Rudel - Anzahl Welpen unklar; Kerngebiet: Gebiet um Niesky / Königshainer Berge; seit Herbst 2011 erstmals nachgewiesen, die Fähe (FT8, "Greta") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender

RA: Raschütz

Status: Rudel - 3 Welpen; Kerngebiet: Raum Großenhain; erstmals nachgewiesen 2016 als Welpen fotografiert wurden

RT: Rosenthal
Status: Rudel - 2 Welpen; Kerngebiet: Gebiet um Ralbitz-Rosenthal (LK Bautzen); eine Tochter FT7 ("Marie") aus dem Milkeler Rudel, die 2012-2013 einen GPS-GSM-Halsbandsender trug, hat hier 2013 zusammen mit einem Rüden ein Revier etabliert, erster Wurf Welpen 2014


Das Bernsdorfer Wolfspaar existiert nicht mehr. Der Bernsdorfer Rüde war im Oktober 2016 tot aufgefunden worden, er starb eines natürlichen Todes. Der Verbleib seiner Partnerin ist bisher unklar. Allerdings hat sich in Brandenburg im Raum Hohenbocka ein neues Wolfsrudel etabliert, dessen Territorium sich bis in den Raum Bernsdorf im Freistaat Sachsen erstreckt.

Der Status des Seenlandrudels (SL) ist unklar, denn 2016/17 gab es Verschiebungen des Knappenroder Rudels ins Seenlandgebiet. Seither ist der Verbleib der Seenlandwölfe unbekannt.

Auch der Verbleib der Sprembergwölfe (SP) ist derzeit unbekannt, denn im Winter 2016 fand eine Verschiebung des Neustädter Paares ins Spremberger Kerngebiet statt.

Im Raum Hohe Dubrau hat sich wieder ein Wolfsrudel, das Kollmer Rudel (KO) etabliert. Eine Tochter des Daubaner Rudels und ein Sohn des Nieskyer Rudels haben im Sommer 2016 in diesem Gebiet Welpen aufgezogen. Dies wurde durch den Fund eines toten Wolfswelpen im Februar 2017 bei Steinölsa, sowie weiterer Genetikproben belegt. Insgesamt konnten diesem Paar bisher 3 Welpen genetisch zugeordnet werden. Im Gebiet um Kollm war im Jahr 2013 bereits ein Rudel nachgewiesen worden, welches im Jahr darauf nicht mehr bestätigt werden konnte. Das Gebiet wurde zwischenzeitlich von den Wölfen des Nieskyer Rudels genutzt.

Wegen der aktuell nachgewiesenen Reproduktion in der Dahlener Heide (Nordsachsen) wird dieses Vorkommen auch rückwirkend für das Monitoringjahr 2016/2017 als neues Wolfspaar geführt. Bereits seit Jahresbeginn gab es dort einzelne Wolfsnachweise.

Weiterhin sind aus den Gebieten Löbau/Zittau (LK Görlitz), der Massenei (LK Bautzen), und des Wermsdorfer Forstes (LK Nordsachsen) wiederholt Hin- und Nachweise von Wölfen bekannt.

Einzelne Nachweise von Wölfen außerhalb etablierter Territorien gab es zudem bei Hohnstein (September 2016) und im Raum Altenberg im LK Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (April 2017), im Vogtlandkreis bei Grünbach (März 2017) sowie in Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis bei Königswalde (Juli 2016).

 

Besondere Vorkommnisse
Im Bereich Rumburk in der Tschechischen Republik wurden 2016 nach einer Verpaarung zwischen einer Wölfin und einem Hund, drei Wolf-Hund-Mischlingswelpen (Hybriden) geboren. Das Gebiet liegt angrenzend an den Freistaat Sachsen im Schluckenauer Zipfel. Nachdem im Herbst 2016 die drei Welpen wiederholt von verschiedenen Personen fotografiert und beobachtet wurden, kam anhand des äußeren Erscheinungsbildes der Verdacht auf, dass es sich um Wolf-Hund-Mischlinge handelt. Zwei der Welpen kamen in den folgenden Wochen ums Leben. Einer starb bei einem Autounfall, der zweite wurde von einem Jäger erlegt. Anhand der genetischen Untersuchung des verunfallten Welpen wurde von Genetikern des Zoologie Departments der tschechischen Charles Universität in Prag in Zusammenarbeit mit dem deutschen Labor für Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Standort Gelnhausen, die Vermutung, dass es sich um Wolf-Hund-Mischlinge handelt, eindeutig bestätigt.
Das Tschechische Umweltministerium beauftragte daraufhin örtliche Jäger mit der Tötung des letzten verbleibenden Welpen (Geschlecht unbekannt). Aus Artenschutzgründen werden Wildtier-Haustier-Mischlinge i.d.R. aus der Natur entfernt, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Da Mischlinge rechtlich dem strenger geschützten Elterntier, in diesem Falle also dem Wolf, gleichgestellt sind, ist für ihre Entnahme aus der Natur i.d.R. eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich. Der rechtliche Schutz von Mischlingen dient in erster Linie dazu, reinrassige Individuen geschützter Arten vor einem versehentlichen Abschuss zu bewahren. Internationale Empfehlungen, wie die Recommendation Nr. 173 (2014) der Berner Konvention fordern von den unterzeichnenden Mitgliedsstaaten jedoch, eine behördlich überwachte Entnahme von Wolf-Hund-Mischlingen aus Wolfspopulationen sicher zu stellen, wenn deren Hybridstatus wissenschaftlich zweifelsfrei erbracht worden ist.
Allerdings gelang die Tötung des Hybriden in Tschechien bislang nicht. Aktuelle Nachweise aus dem April 2017 zeigen, dass das Tier noch immer in der Region unterwegs ist. Es hat eine deutlich dunklere Fellzeichnung als Wölfe, sodass es optisch gut erkennbar ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das inzwischen einjährige Tier in nächster Zeit aus dem Gebiet abwandert und eventuell im Freistaat Sachsen auftaucht. Im Managementplan für den Wolf in Sachsen ist geregelt, dass Hybriden aus der Population entfernt werden sollen. Ein höheres Gefährdungspotenzial für Menschen geht durch Hybriden, die in freier Wildbahn von einer Wolfsmutter aufgezogen wurden, nicht aus, wie internationale Erkenntnisse zeigen.

Wolfshinweise aus der Bevölkerung sind für das Wolfsmonitoring eine wertvolle Hilfe und können jederzeit an die Landratsämter oder das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung (Tel. 035727 57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gemeldet werden.
Auch das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) nimmt Hinweise entgegen und steht darüber hinaus für jegliche Fragen zum Thema Wolf zur Verfügung.