Wölfe in Sachen

Die gemeinsame Geschichte von Wolf und Mensch war Anfangs durchaus positiv geprägt. Höhlenmalereien beweisen, dass schon vor 50.000 Jahren, möglicherweise noch früher, Menschen begannen, sich für Wölfe zu interessieren und ihr Verhalten zu beobachten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits vor 14.000 bis 16.000 Jahren die ersten Wölfe vom Menschen aufgezogen  und als Haustiere gehalten worden sind. Damit nahm die Erfolgsgeschichte des Hundes, des ersten vom Menschen domestizierten Tieres, ihren Lauf. Erst mit Beginn der Viehhaltung änderte sich die Einstellung zum Wolf grundlegend.

Bis ins frühe Mittelalter hielten sich in Mitteleuropa stabile Wolfsbestände. Die zunehmende Waldrodung und Weideviehhaltung führte zunächst zur Bestandszunahme des anpassungsfähigen Offenlandjägers durch Bereitstellung leicht zugänglicher Beute. Auch wenn ein Wolfsangriff auf das wertvolle Vieh eine ernste Bedrohung für viele Bauern darstellte, war der Jagddruck derzeit noch gering, da entsprechende Mittel fehlten und die Jagd Feudalherren vorbehalten blieb. Mit dem Beginn der offenen Viehhaltung und der Waldweide im ausgehenden Mittelalter, bei der das Vieh vollkommen ungeschützt zur Buchecker- und Eichelmast in den Wald getrieben wurde, nahmen die Nutztierverluste zu. Die Einstellung der Bevölkerung wurde zunehmend von Angst geprägt. Eine organisierte Bekämpfung des Wolfes setzte infolge dessen ab dem 15. Jahrhundert ein. Im 16. und 17. Jahrhundert erreichte die Wolfsjagd ihren Höhepunkt. Mit groß angelegten Treibjagden und Prämien, die für getötete Wölfe (besonders für Jungtiere) gezahlt wurden, wurde der Wolfsbestand in weiten Teilen Mitteleuropas stark dezimiert und das einst zusammenhängende Vorkommensgebiet lückenhaft. Die dabei angewandten Jagdmethoden (Fallen, Fanggruben, Giftköder, Lappjagden u.a.) zielten direkt auf die Ausrottung des Raubtieres. Während und nach kriegerischen Auseinandersetzungen, wie dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) sowie den Pestwellen 1624-26 und 1636-38, nahm aufgrund des sinkenden Jagddrucks durch den Rückgang der Bevölkerungsdichte der Wolfsbestand zwischenzeitlich wieder zu. Dennoch war der Wolf bereits um 1750 in weiten Teilen Deutschlands als Standwild verschwunden. Einzelgänger wurden in den darauffolgenden Jahrzehnten erlegt. Der wahrscheinlich letzte deutsche Wolf wurde 1845 bei Trebendorf (Muskauer Heide, Sachsen) zur Strecke gebracht.
Seitdem tauchten immer wieder Wölfe, die aus dem Osten zuwanderten besonders in der Oberlausitz auf. Diese Tiere wurden ebenfalls verfolgt und ausnahmslos zur Strecke gebracht. Bekannte Beispiele dafür sind der „Tiger von Sabrodt“  (1904) und der „Würger vom Lichtermoor“ (1948).
Auch nach Gründung der DDR, in der der Wolf ganzjährig gejagt werden durfte, wanderten gelegentlich Wölfe aus dem Osten ein. Mindestens 28 wildlebende Wölfe wurden seit 1948 geschossen. Mit Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde der Wolf in gesamt Deutschland unter Schutz gestellt. Zehn Jahre danach kamen im Jahr 2000 die ersten Wolfswelpen zur Welt. (Chronologie des Wolfsvorkommens)