Wölfe in Sachen

schafeWölfe, als große Beutegreifer, sind auf die Jagd großer Huftiere spezialisiert. In Mitteleuropa ernähren sie sich vor allem von Reh-, Rot- und Schwarzwild. In Skandinavien sind oft Elche und Rentiere die Hauptnahrung. Dort wo wildlebende Huftiere fehlen, wie in manchen Gebieten Spaniens und Portugals, können dagegen, Nutztiere und Abfall einen wesentlichen Teil der Nahrung ausmachen. Aber auch in wildreichen Gebieten kann es zu Übergriffen auf Nutztiere kommen. Es ist also keineswegs so, dass Wölfe domestizierte Tiere nur dann reißen, wenn sie nicht genügend wildlebende Beutetiere finden. Sie jagen einfach die Tiere, die sie am leichtesten überwältigen können. Zwischen, aus menschlicher Sicht, „erlaubten“ und „unerlaubten“ Beutetieren unterscheiden sie dabei nicht. Ungeschützte Nutztiere sind besonders leicht zu erbeuten.
 
In Sachsen und auch international sind es vor allem mittelgroße Nutztiere, wie Schafe und Ziegen, ebenso wie in Gattern gehaltene wilde Huftiere (z.B. Damwild), die betroffen sind. Vor allem Schafe und Ziegen stellen wegen ihrer geringen Körpergröße, ihrem kaum vorhandenen Verteidigungs- oder Fluchtvermögen und ihrer oft extensiven Freilandhaltung eine leichte Beute dar. Rinder und Pferde sind dagegen von Natur aus recht wehrhaft. Auch haben sie oft noch ein ausgeprägtes Herdenverhalten. Sie sind deshalb viel weniger gefährdet. Meist werden dann Jungtiere oder einzeln gehaltene Rinder oder Pferde von Wölfen getötet.
Übergriffe auf Neuweltkameliden (z.B. Alpakas) sind ebenfalls selten, in Deutschland gab es bisher keinen solchen Fall (Stand 2015). Sie kamen im natürlichen Verbreitungsgebiet von Wölfen nicht vor, aber die Haltung dieser Tiere wird zunehmend häufiger. Die Tiere sind mittelgroß und gelten als nicht besonders wehrhaft, weshalb von einer gewissen Gefährdung auszugehen ist. Es bleibt abzuwarten, ob Wölfe sie mit der Zeit in ihr Beuteschema aufnehmen werden.
 
In Gebieten, in denen sich Wölfe neu etablieren, sind Übergriffe auf Nutztiere meist besonders häufig, da die Tierhalter oft nicht ausreichend auf die neue Situation vorbereitet sind.
Um Verluste von Nutztieren durch Wölfe möglichst zu verhindern oder gering zu halten, ist ein flächendeckender Herdenschutz mit sorgfältig aufgebauten Zäunen wichtig. Je öfter ein Wolf Erfolg an ungenügend geschützten Schafen hat, desto mehr wird er versuchen, auch an geschützte Schafe zu gelangen. Außerdem lernen Wölfe schnell die Schwachstellen einer Schutzmaßnahme zu erkennen. Zur Abwehr bzw. Minimierung von Nutztierschäden gibt es keine ultimative Schutzmethode, sondern vielmehr eine individuelle Anpassung der Herdenschutzmöglichkeiten an die jeweils vorliegenden Gegebenheiten der Tierhaltung. Auch werden Herdenschutzmaßnahmen keinen 100%igen Schutz bieten können, sie verringern Schäden jedoch effektiv. Den sichersten Schutz bieten Elektrozäune (ggf. in Kombination mit Herdenschutzhunden) bzw. das Einstallen von Nutztieren über Nacht.
 
Grundsätzlich bietet die Haltungsform von Schafen in Sachsen vergleichsweise gute Koexistenz-Voraussetzungen mit Wölfen, denn in den meisten Fällen weiden die Schafe auf Koppeln, die von Elektronetzzäunen umschlossen sind. Einige Halter im Nebenerwerb schützen die Schafe auch hinter hohen Maschendrahtzäunen und/oder stallen sie über Nacht ein, was eine gute Sicherheit gewährleistet. Manche hauptberufliche Schäfer schützen ihre großen Herden effektiv mit Herdenschutzhunden.
 
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