Wölfe in Sachen

Wölfe sind die Vorfahren unserer Hunde und können noch immer mit ihnen kommunizieren. Gerade die Tatsache, dass Wölfe Hunde häufig als Artgenossen ansehen, kann jedoch problematisch sein. Hunde verhalten sich in der Regel eben nicht wie Wölfe, was zu „Missverständnissen“ führen kann, die für den Hund unter Umständen tödlich verlaufen. So hinterlassen erwachsene Hunde z.B. überall ihre Markierungen, unabhängig von einem territorialen Anspruch - sie signalisieren damit eher "ich war hier und ich bin ein ganz besonders toller Hund" als "dies ist mein Territorium". Die Wölfe, in deren Territorium die Hunde unterwegs sind und markieren, können dies dann aber als "Provokation" empfinden, da für sie das Markieren mit einem territorialen Anspruch zu tun hat. Solange Wölfe und Hunde dabei nicht direkt aufeinander treffen, da die Hunde meist tagsüber und in der Nähe der Dörfer unterwegs sind und die Wölfe eher nachts, ist dies kein Problem. Die Markierungen des jeweils anderen werden einfach immer wieder "überschrieben" - d.h. man kennt einander, nutzt das gleiche Gebiet, aber zu unterschiedlichen Zeiten.

Die weitaus meisten Hunde in Wolfsgebieten werden nie in direkten Kontakt zu Wölfen kommen und selbst wenn, dann sind sie in der Regel in direkter Nähe zum Menschen, dessen Anwesenheit ihnen Schutz bietet. Allerdings muss die Begegnung zwischen Wölfen und Hunden auch nicht zwangsläufig aggressiv verlaufen. Es kann durchaus auch vorkommen, dass Wölfe und Hunde sich verpaaren. Die wilden Nachkommen einer solchen Verpaarung (Hybriden) können ein ernstes Artenschutzproblem darstellen.

Konkurrenz
Konflikte kann es geben, wenn Hunde sich allein im Gelände bewegen und dort auf Wölfe treffen. Unter Umständen werden sie dann von diesen als Eindringlinge im eigenen Territorium betrachtet, die es zu vertreiben gilt. In Schweden kommt es bei einem Wolfsbestand von rund 400 Tieren jährlich zu ca. 20 bis 40 solchen für den Hund oft tödlich verlaufenden Zusammenstößen, die meisten davon bei der Elchjagd. Dabei suchen meist nicht die Wölfe Kontakt zu den Hunden, sondern im Gegenteil, die Hunde verfolgen die Wölfe auf ihrer Spur. Ein fremder Wolf würde sich den Territoriumsinhabern nur mit allergrößter Vorsicht nähern. Ein Zusammentreffen würde er jedoch tunlichst vermeiden.

In Sachsen gab es Anfang 2005 einen solchen Zwischenfall. Ein Jagdhund (nicht während eines jagdlichen Einsatzes) hatte offenbar Witterung von der Wölfin des damaligen Neustädter Rudels bekommen und sich unbemerkt von seinem Besitzer entfernt. Er verfolgte die Wölfin und stellte sie. Kurz darauf kam der Hund mit mehreren Bisswunden zu seinem Besitzer zurück. Wenige Stunden später verstarb er bei der tierärztlichen Behandlung.

Generell sollten Hunde im Wolfsgebiet angeleint bzw. nahe bei ihrem Besitzer geführt werden. Es kann durchaus vorkommen, dass Wölfe sich für diese Artgenossen interessieren, die aus Wolfssicht „dreist“ in ihrem Territorium markieren. Die Nähe seines Besitzers ist der beste Schutz für den Hund. Kommt es zu einem Zusammentreffen von Wolf und Hund, sollte man seinen Hund zu sich rufen, anleinen und sich ruhig zurückziehen. Falls der Wolf weiter Interesse an dem Hund zeigt, sollte man sich durch Rufen deutlich bemerkbar machen und den Wolf ggf. durch das Werfen von Gegenständen vertreiben. Eine Gefahr für den Hundeführer selbst besteht in diesen Situationen nicht. Die Wölfe interessieren sich für ihre domestizierten Verwandten, nicht für die Menschen.

Paarungspartner
In Ausnahmefällen können sich wild lebende Wölfe auch mit Hunden verpaaren. Ursache ist meist ein Mangel an Wölfen als geeignete Paarungspartner. Entsprechend ist die Gefahr der Hybridisierung in kleinen, isolierten Populationen besonders hoch. Auch aus stark bejagten Populationen, in denen bestehende Sozialstrukturen immer wieder zerstört werden und ein plötzlicher Mangel an wölfischen Paarungspartnern entsteht, sowie aus Gebieten mit einer großen Zahl streunender und verwilderter Hunde, sind Paarungen zwischen Wölfen und Haushunden bekannt.

In Deutschland hat es bisher nur einen Fall von Verpaarung zwischen einer Wölfin und einem Haushund gegeben. Eine junge Wölfin, die sich in der sächsischen Neustädter Heide in Nachbarschaft zu ihrem Elternterritorium etabliert hatte, fand 2003 offensichtlich keinen wölfischen Paarungspartner. Zu diesem Zeitpunkt waren die wenigen Wölfe im Gebiet alle miteinander verwandt, entstammten sie doch dem einzigen Rudel in der Muskauer Heide. Da Wölfe in der Regel versuchen, Inzucht zu vermeiden, kann es vorkommen, dass sie sich in einer solchen Situation eher mit einem Hund, als mit einem nahe verwandten Tier paaren. Von den anfänglich 9 Hybridwelpen überlebten 4 bis zum Winter 2003/2004.

Aus Artenschutzgründen ist es erforderlich, Wildtier-Haustier-Mischlinge aus der Natur zu entfernen, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Dies ist umso dringender geboten, wenn es sich dabei um eine noch kleine Population, wie die Mitteleuropäische Flachland Population, handelt, die sich erst in der Etablierung befindet. Im hier beschriebenen Fall konnten zwei der Tiere lebend gefangen werden. Die anderen beiden sind seit Februar 2004 verschollen. Die Hybriden wurden nie wieder nachgewiesen und tauchten seitdem auch nicht mehr in den genetischen Analysen auf, daher ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr am Leben sind. Seitdem ist kein weiterer Fall von Hybridisierung bekannt.
Da Mischlinge rechtlich dem „höherwertigen“ Elterntier, in diesem Falle also dem Wolf, gleichgestellt sind, ist für ihre Entnahme aus der Natur eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich. Vermeintliche Wolf-Hund-Mischlinge dürfen daher ohne ausdrückliche Genehmigung der Naturschutzbehörden auch nicht geschossen werden!

Die Gefahr der Hybridisierung verringert sich umso mehr, je mehr Wolfsrudel es in der Mitteleuropäische Flachland Population gibt, und je mehr Wölfe auch aus weiter entfernt liegenden Gebieten zuwandern. Die Rudel „schütten“ jedes Jahr Jungwölfe aus, die den Jungwölfen der anderen Rudel dann als potentielle Paarungspartner zur Verfügung stehen.