Toter Wolf in Dänemark stammt aus Sachsen

27.02.2013:
Der Mitte November 2012 im dänischen Nationalpark Thy (Nordjütland) tot aufgefundene Wolf stammt nachweislich aus Sachsen. Genetische Untersuchungen am Senckenberg Institut für Wildtiergenetik in Gelnhausen und der Universität Aarhus (Dänemark) zeigten, dass es sich um einen männlichen Wolf aus dem Milkeler Rudel handelt, wo er vermutlich im Jahr 2009 geboren wurde. Der Wolf ist durch Deutschland bis in den Norden Dänemarks gewandert. Die Entfernung zwischen dem Milkeler Territorium und dem Fundort in Dänemark beträgt ca. 720 km Luftlinie. Auf seinem Weg muss er mehrere Autobahnen und große Wasserläufe, wie den Nord-Ostsee-Kanal überquert haben.

Im Oktober 2012 wurde ein Wolf im dänischen Thy Nationalpark fotografiert. Einen Monat später wurde vermutlich das gleiche Tier tot aufgefunden. Die Obduktion ergab, dass das Tier einen Tumor im Halsbereich hatte, wodurch es verhungert ist.

Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von 1 bis 2 Jahren aus ihrem elterlichen Territorium auf der Suche nach einem eigenen Revier und einem Paarungspartner ab. Während viele Jungwölfe versuchen in der Nähe ihres Geburtsrudels eine eigene Familie (Rudel) zu gründen, wandern andere über sehr weite Strecken ab und können so neue Gebiete besiedeln. Der junge Milkeler Wolf ist seit fast 200 Jahren der erste Wolf, der in Dänemark nachgewiesen wurde. Ein Jungwolf aus dem Nochtener Rudel, der 2009 im Rahmen einer Pilotstudie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zur Abwanderung und Ausbreitung der Wölfe in Deutschland mit einem GPS-Halsbandsender versehen worden war, war auf seiner Abwanderung bis an die Grenze zwischen Weißrussland und Litauen gelaufen, wo sein Sender ausfiel. Dabei hatte er eine Strecke von über 800 km Luftlinie zurückgelegt.

Räudeerkrankung bei Wölfen

12.02.2013:

In letzter Zeit wurden wiederholt Fragen zum Räudebefall bei Wölfen und daraus resultierenden, möglichen Gefahren für den Menschen an das Kontaktbüro herangetragen. Die Räude ist eine durch Milben hervorgerufene Hauterkrankung, die relativ häufig bei Füchsen auftritt und von diesen auch übertragen wird. Eine Ansteckung von Haustieren, seltener auch Menschen, ist zwar möglich, lässt sich jedoch gut behandeln.
Räudemilben sind Parasiten, die sich in die Haut eingraben, was zu starkem Juckreiz und oft Aufkratzen der betroffenen Hautstellen führt. Befallene Tiere haben einen schlechten Fellzustand, durch das ständige Kratzen entstehen kahle Stellen an verschiedenen Körperteilen, z.B. am Rücken und am Schwanz. Dies kann zu Problemen bei der Regulierung der Körpertemperatur und einer allgemeinen Schwächung des Tieres führen. Im fortgeschrittenen Stadium können betroffene Tiere eine verzögerte Fluchtreaktion zeigen, sie verhalten sich jedoch gegenüber dem Menschen nicht aggressiv.
Die Räude ist keine meldepflichtige Krankheit und tritt bei Wildtieren immer wieder in Schüben auf. Die Anfälligkeit an der Räude zu erkranken und der Krankheitsverlauf sind abhängig von der Immunabwehr des betroffenen Wildtieres. Insbesondere bei sehr jungen oder bereits geschwächten Tieren kann die Krankheit tödlich verlaufen. Tiere mit gesunder Konstitution können die Krankheit jedoch auch ausheilen.

Anhand von Sichtungen und Fotos wird vermutet, dass im Nochtener Wolfsrudel derzeit zwei Welpen an Räude erkrankt sind. Aktuelle Fotofallenaufnahmen belegen, dass beide Elterntiere des Rudels bisher jedoch keine Symptome einer Räudeerkrankung zeigen. In den anderen sieben sächsischen Wolfsrudeln ist aktuell kein derartiger Fall bekannt.
Da Wölfe streng geschützt sind und der Verlauf der Krankheit nicht zwingend mit dem Tod des betroffenen Tieres enden muss, besteht gegenwärtig kein besonderer Handlungsbedarf. Sichtungen von Wölfen sollten an die bekannten Stellen des Wolfsmanagements gemeldet werden. Bei gemeldeten Verhaltensauffälligkeiten wird die Situation durch Experten vor Ort eingehend geprüft und dann entschieden, ob gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Wolfsrudel im Hohwald nachgewiesen

12.11.2012

In dem Gebiet um den Hohwald (Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge) lebt ein Wolfsrudel. Nachdem am 14.10.2012 ein einzelner erwachsener Wolf mit einer automatisch auslösenden Kamera (Fotofalle) nachgewiesen wurde, konnte nun durch Fotos eines Schafhalters ein Welpe in dem Gebiet bestätigt werden. Damit ist der Beweis erbracht, dass sich in der Hohwald-Region eine Wolfsfamilie gegründet hat, wie von einigen Bürgern bereits vermutet wurde. Mit dem „Hohwaldrudel“ leben aktuell in Sachsen sieben Wolfsrudel und ein Wolfspaar bei dem noch nicht bekannt ist, ob es Welpen führt.

Ein Wolfsrudel besteht in der Regel aus einem Elternpaar, das meist auf Lebenszeit verbunden ist, und seinen Nachkommen. Das Elternpaar lebt dauerhaft in seinem angestammten Revier, während die Jungwölfe das Elternrevier in der Regel im Alter von 1-2 Jahren verlassen.

 

Aktuelles zu den Lausitzer Wölfen

6.11.2012

In der Lausitz leben aktuell zehn Wolfsfamilien (Rudel) und zwei Paare bei denen bislang noch unklar ist, ob sie Nachwuchs haben. Davon leben sechs Wolfsfamilien (Daubitz, Nochten, Milkel, Niesky, Dauban, Königsbrücker Heide) und eines der Paare (Seenland) in Sachsen.

Drei Wolfsrudel (Welzow, Lieberose, Seese) und ein Paar (Zschorno) befinden sich im brandenburgischen Teil der Lausitz. Das Spremberger Rudel hat sein Territorium sowohl auf brandenburgischem als auch auf sächsischem Gebiet.

Zusätzlich gibt es seit Kurzem den Nachweis von einem Wolf im Hohwald (Landkreise Sächsische Schweiz - Osterzgebirge und Bautzen).

Seit letztem Sommer gibt es in den Königshainer Bergen vermehrt Hinweise auf Wölfe (u.a. Muffelrisse). Anhand von genetischen  Untersuchungen durch das Senckenberg Institut für Wildtiergenetik in Gelnhausen konnte nachgewiesen werden, dass es sich hierbei um das Nieskyer Rudel handelt, dessen Revier sich bis in die Königshainer Berge südlich der A4 erstreckt.

Im Seenland- und Nochtener Rudel hat es einen Wechsel der Revierinhaber gegeben. Von dem alten Elternpaar des Seenlandrudels gibt es seit mehreren Monaten keine Hinweise mehr. Eine Tochter hat das Revier übernommen und lebt dort mit einem Rüden zusammen. Bislang gibt es noch keine Hinweise auf Welpen.

Im Nochtener Rudel zieht eine Tochter der alten Revierinhaber mit einem neuen Rüden Welpen auf. Anders als im Seenlandrudel leben ihre Eltern jedoch noch im Revier. Das Wildbiologischen Büro LUPUS untersucht, wie sich die beiden Paare miteinander arrangieren.

Derzeit sind zwei Wölfe im Lausitzer Wolfsgebiet besendert:

Eine junge Wölfin („Marie“,FT7) aus dem Milkeler Rudel und ein junger Wolf (MT5) aus dem Nochtener Rudel.

FT7 wurde im Rahmen eines Projektes des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und der Projektgruppe „Wanderwolf“, die aus der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V., dem Internationalen Tierschutz-Fonds gGmbH, dem Naturschutzbund Deutschland e.V. und dem World Wide Fund For Nature Deutschland besteht, am 02.05.2012 besendert.

Abgesehen von kurzen Ausflügen in das benachbarte Territorium des Daubaner Rudels, hält sich die Wölfin bislang in ihrem elterlichen Territorium auf.

Vom 02. Mai bis 31. Oktober 2012 nutzte FT7 mit diesen Ausflügen ein 389 km² großes Streifgebiet (MCP100*), ohne 311 km². Dieses liegt zum Großteil innerhalb des bekannten Milkeler Territoriums und erstreckte sich südlich von Königswartha bis Neustadt / Spreetal im Norden (siehe Karte 1).

MT5 ist nicht im Rahmen der AG „Wanderwolf“ besendert worden. Der Wolf war nach einem Verkehrsunfall Anfang Dezember 2011 verletzt eingefangen, tierärztlich behandelt und am 7. Januar 2012 mit Halsbandsender wieder freigelassen worden. Da der Sender von MT5 nur außerhalb des Truppenübungsplatzes Oberlausitz sendet, sind die Lokations-Daten des Wolfsrüden eher lückenhaft. Das tatsächlich genutzte Streifgebiet ist daher nicht bekannt. Ende September unternahm MT5 einen mehrtägigen Ausflug in den Norden des Milkeler Territoriums, kehrte dann wieder in das Nochtener Gebiet zurück. In der zweiten Oktoberhälfte streifte er durch das Territorium des Daubaner Rudels, wo er sich Ende Oktober noch immer aufhielt. Mit diesen Ausflügen ist sein bisheriges bekanntes Streifgebiet 499 km² groß (MCP100), ohne 132 km² (siehe Karte 2).

Mehr Details zu den aktuellen Informationen enthält der Newsletter Oktober 2012.

 

 

 

* MCP100 = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche.

* Streifgebiet: Gebiet, das von noch nicht territorialen Wölfen genutzt wird. Dieses deckt sich vor der Abwanderung zum Großteil mit dem Territorium (s.u.) der Elterntiere. Einige Jungwölfe unternehmen vor ihrer eigentlichen Abwanderung vom Territorium ihrer Eltern aus Ausflüge in Nachbarterritorien. Ihr Streifgebiet ist dann größer als ihr Elternterritorium.

Wolf im Hohwald nachgewiesen

24.10.2012:
Nachdem es in den letzten Monaten im Gebiet um den Hohwald (Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge und Bautzen) wiederholt Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfes gab, konnte diese Vermutung Mitte Oktober durch Bilder einer Fotofalle (automatisch auslösende Kamera) bestätigt werden.
Noch kann nicht abschließend eingeschätzt werden, ob das Tier dauerhaft sesshaft geworden ist. Grundsätzlich muss aber von einer dauerhaften Etablierung mindestens eines Wolfes in der Region ausgegangen werden. Sollten sich neue Erkenntnisse durch das Monitoring ergeben, werden diese zeitnah bekanntgegeben.

Schaf- und Ziegenhalter in der Region sollten besonders auf die Sicherheit ihrer Umzäunungen achten.
Üblicherweise bietet ein handelsüblicher Elektrozaun, wie z.B. ein Flexinetzzaun einen effektiven Schutz gegen Wolfsangriffe auf Nutztiere. Auch der Einsatz von Litzenzäunen mit mindestens 5 Litzen kann Wolfsübergriffe verhindern. Bei dieser Zäunungsvariante sollte allerdings der Abstand zwischen den einzelnen Drähten und zum Boden 20 cm nicht überschreiten. Wichtig ist weiterhin, dass die Umzäunung an allen Seiten geschlossen ist und ausreichend Spannung auf dem Zaun liegt. Wassergräben und andere natürliche Begrenzungen stellen für Wölfe kein Hindernis dar. Außerdem muss beachtet werden, dass sich am Zaun keine Böschungen, Holzstapel oder andere Einsprunghilfen befinden.
Bei Festkoppeln (stationäre Holz- oder Maschendrahtzäune) ist vor allem ein fester Bodenabschluss wichtig. Nutztierhalter sollten ihre Zäune regelmäßig auf Durchschlupfmöglichkeiten kontrollieren und diese zeitnah verschließen. Die Einhaltung des obengenannten Mindestschutzes ist im Falle eines Wolfsübergriffs die Voraussetzung für eine Ausgleichszahlung durch den Freistaat Sachsen.

Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Fördergebiet haben die Möglichkeit sich die Anschaffung von Herdenschutzmaterial (z.B. Elektrozaun, Installation von Unterwühlschutz bei Wildgattern) vom Freistaat Sachsen fördern zu lassen. Bei weiteren Fragen zu den Schutzmaßnahmen und zur Förderung stehen Ihnen die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises und Herr Klingenberger vom Staatsbetrieb Sachsenforst unter der Telefonnummer 0172/3757602 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zur Verfügung.

Wolfshinweise z.B. Sichtungen, Riss- und Kotfunde können an das Landratsamt Ihres Landkreises, das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz (Tel. 035772 46762) oder das Wildbiologische Büro LUPUS (Tel. 035727 57762) gemeldet werden.

Informationsveranstaltung zum Thema Wolf im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge

Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und das sächsische Wolfsmanagement laden am Mittwoch, den 07.11.12, um 18.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung für Tierhalter und Bürger zum Thema „Wolf" in die Friedrich-Schiller Mittelschule (Rosa- Luxemburgstraße 11) in Neustadt in Sachsen ein.

Zunächst wird das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz" in einem Vortrag zum Thema „Wölfe in Sachsen" über die Ergebnisse der Wolfsforschung, die Biologie und die Lebensweise der Tiere informieren. Im Anschluss wird Herr Klingenberger vom Staatsbetrieb Sachsenforst die Herdenschutzmaßnahmen und die Fördermöglichkeiten für Tierhalter vorstellen.

In der folgenden Podiumsdiskussion stehen Vertreter des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbands, des SMUL und des Landratsamts Sächsische Schweiz – Osterzgebirge für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen zum Zuhören und Diskutieren. Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich und kostenlos.