Stand Juni 2007

06.06.2007: Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist zu vermuten, dass in beiden Lausitzer Wolfsrudeln auch in diesem Jahr - wahrscheinlich in der zweiten Maiwoche - Welpen geboren worden sind. Eine sichere Bestätigung des Verdachts kann frühestens Ende Juni/Anfang Juli mit dem Nachweis von Welpenspuren erfolgen. Die Aktivitäten der beiden Wölfe, die im Rahmen des vom IFAW finanzierten Monitorings im Gebiet zwischen der A 15 und Bad Muskau nachgewiesen werden konnten, werden weiterhin beobachtet. Auch dort wird erst im Sommer mit einem eindeutigen Nachweis gerechnet, ob es sich um verpaarte Tiere handelt, die Nachwuchs bekommen haben oder nicht. Im Gebiet südlich der Rudelterritorien bis zur A 4 ist nach wie vor die Anwesenheit eines Wolfes zu verzeichnen, es gibt keine Hinweise, dass dieses Tier einen Partner hätte.

Stand April 2007

04.04.2007: Das Muskauer Heide Rudel und das Neustädter Heide Rudel im Nordosten von Sachsen bestehen derzeit aus jeweils einem Elternpaar und ca. 6 fast einjährigen Jungwölfen. Die  fast zweijährigen Wölfe aus den 2005er Würfen haben die elterlichen Rudel vermutlich bereits verlassen. Im Mai wird, wie in den Jahren zuvor, mit neuem Nachwuchs in den Rudeln gerechnet.
Im Gebiet des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und Hohe Dubrau hat ein einzelner, aus Polen zugewanderter Rüde, seit Anfang 2006 ein Territorium in Besitz genommen. Alle bekannten Hinweise aus den letzten Monaten lassen darauf schließen, dass das Tier noch immer allein ist. Dagegen halten sich im südlichen Brandenburg, zwischen Bad Muskau und der A 15 im Landkreis Spree/Neiße (Brandenburg) mittlerweile 2 Wölfe auf.

Aufregung in Neusorge

09.03.2007: Heute Vormittag wurde von einem Jäger eine gerissene Rothirschkuh auf einem Acker in Neusorge gefunden. Anhand der Spuren auf dem Acker und der Schleifspuren auf der Wiese konnte Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro LUPUS  erkennen, dass das Rotwild von mehreren Wölfen aus dem Wald über einen Acker getrieben und auf einer Wiese ca. 70 m neben der Ortsstraße und 95 m vom nächsten Gebäude entfernt gerissen wurde. Anschließend schleppten es die Wölfe ca. 30 m zurück in Richtung Wald und fraßen dort große Teile von dem gerissenen Tier. Im Laufe des Tages sammelten sich mehrere Anwohner, Vertreter aus dem Sächsischen Umweltministerium und dem Landratsamt NOL am Ort des Geschehens. Auch die Bildzeitung und das ZDF waren vor Ort. Gesa Kluth nahm die für das Monitoring wichtigen Daten zu den Spuren und dem Riss auf. Einige Anwohner äußerten Ihre Sorge wegen der Nähe des Risses zu den Gebäuden. Die Expertin betonte, dass durch den nächtlichen Streifzug der Wölfe keine Gefahr für die Bewohner von Neusorge bestand. Die Wölfe sind nicht wegen der Menschen in den Ort gekommen, sondern wegen der Hirschkuh. Es hat in den letzten Jahren immer wieder Risse in Ortsnähe gegeben. Es ist bei Ortslagen, wie wir sie in Neusorge finden normal, dass das Wild in der Nacht an einzelnen Gebäuden vorbeiläuft, der Wolf macht da keine Ausnahme. Durch den Rissfund heute wurde die sonst meist stille Präsenz der Tiere plötzlich ganz offensichtlich.  
Der Ort Neusorge liegt im südlichen Bereich des Territoriums des Muskauer-Heide-Rudels. In diesem Gebiet leben schon seit vielen Jahren Wölfe.

Rotwildersatz für ein Gatter in Groß-Düben

24.02.2007: Am 24.02.07 wurden dem Betreiber des Rotwildgatters in Groß-Düben zwei Stück Rotwild übergeben. Die Tiere sind der Ersatz für ein Alttier und ein Schmaltier, die Anfang Januar 2007 vom Wolf gerissen wurden. Der Verein Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V. übernahm den Transport  der Tiere von einem Gehege in Schönau nach Groß-Düben. Der 2004 gegründete Verein unterstützt das sächsische Wolfsmanagement bei der Reduzierung von Konflikten, die im Zusammenleben mit Wölfen entstehen, um die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung zu fördern. Die beiden je 400 EUR teuren beschlagenen Rotwildkühe, die der Gatterwildbetreiber in Groß Düben als Entschädigung erhielt, wurden von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. finanziert. Seit Vorkommen der Wölfe in der Lausitz im Jahr 1998 belaufen sich die Ersatzzahlungen für durch Wölfe verursachte Verluste an Nutztier- und Wildgatterbeständen auf insgesamt rund 17.360,00 EUR. Davon wurden 5.600,00 EUR von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. bezahlt. Im Vergleich zu Kormoran- oder Fischotter sind die Ersatzzahlungen gering. Ihre Bedeutung in Hinblick auf die Akzeptanz des Wolfes ist indes sehr groß. Den richtigen Ansatzpunkt sehen Fachleute aber vor allem in der Prävention von Schäden. Im Wolfsgebiet kann und muss mit geeigneten Schutzmaßnahmen effektiv dafür gesorgt werden, dass Wölfe nicht an Gehegewild oder an Schafe und Ziegen herankommen. Am Rotwildgatter in Groß-Düben wird mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat ein Drahtgeflecht entlang des Zaunes flach auf dem Boden ausgelegt und mit Erdankern befestigt. Dadurch wird ein Untergraben des Zaunes verhindert.

Rotkäppchensyndrom feiert Auferstehung

05.02.2007: In der letzten Zeit gibt es zunehmend Berichte über die vermeintliche Gefährlichkeit von Wölfen in den Medien. Dahinter stehen wenige, den sächsischen Wolfsbeauftragten einschlägig bekannte Akteure, die durch die Verbreitung von Falschinformationen aktiv Ängste in der Bevölkerung herauf beschwören.
Der Wolf zählt zu den am besten erforschten Wildtieren in Europa. Internationale Wolfsexperten sind sich einig, dass das Risiko von einem wildlebenden Wolf angegriffen zu werden, extrem gering ist. Das denkbarste Szenario, unter dem in der Lausitz ein Wolf anfangen könnte, Menschen gegenüber ein unerwünschtes Verhalten zu zeigen, wäre, wenn ein Wolf über längere Zeit angefüttert wird und Menschen so direkt mit Nahrung in Verbindung bringt. Futterkonditionierte Wölfe können über einen längeren Lernprozess dreistes und aufdringliches Verhalten gegenüber Menschen entwickeln. Zurzeit gibt es dafür aber keinerlei Anzeichen.
Generell gilt: Problematisches Verhalten tritt nicht von heute auf morgen auf. Durch die Erfassung sämtlicher Hinweise und Sichtungen im Rahmen des offiziellen Wolfsmonitorings, besteht die Möglichkeiten unerwünschtes Verhalten frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Voraussetzung dafür ist, dass alle Hinweise zeitnah an das Wildbiologische Büro LUPUS oder das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz gemeldet werden (Tel. 035727 / 57762 oder 035772/46762).
Junge unerfahrene Wölfe machen bei Sichtungen meist einen gelassenen Eindruck, auch ist ihre Fluchtdistanz zuweilen geringer als bei erwachsenen Tieren. Hierbei handelt es sich jedoch ausdrücklich nicht um problematisches Verhalten.
Bürger und Journalisten, können sich am 07.02.07 um 18.00 Uhr im TBGZ Niesky (Muskauer Str. 51, 02906 Niesky) in einem Vortrag der Wolfsexpertin Ilka Reinhardt (Wildbiologisches Büro LUPUS) zum Thema "Die Angst vor dem Wolf" informieren. Sebastian Koerner gibt anhand von Filmaufnahmen interessante Einblicke in das Familienleben der Tiere.
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